Jahresrückblick 2018: Das Narrativ zur Kulturstrategie

Den Wert einer Kulturellen Strategie erkennen, das war 2018 ein zentrales CULTURELAB-Thema, und wird es auch 2019 bleiben.

Kommunen, regionale Verbände, Bundesländer bis hin zur Österreichischen Bundesregierung sprechen von Kulturstrategien. Alle vereint, dass eine sinnvolle und professionell erarbeitete Strategie einen wesentlichen Mehrwert für den jeweiligen Auftraggeber mit sich bringen kann.

Die ersten Profiteure eines kulturstrategischen Prozesses sind bekanntlich immer die Bürgerinnen und Bürger selbst. Zur Selbstvergewisserung eines Lebensraumes gehört daher nicht nur das soziale Umfeld, das Vereinsleben oder der Arbeitsplatz, sondern insbesondere das kulturelle Angebot, Bildungseinrichtungen und beispielsweise Möglichkeitsräume für Sport und Freizeit. Städte und Regionen können so ihre Attraktivität steigern. Diese Erkenntnis basiert auf dem UNESCO Kulturbegriff  (Weltkonferenz über Kulturpolitik 1982 in Mexiko-Stadt).

„Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“

Diese Auseinandersetzung mit dem kulturellen Angebot bildet meist die Grundlage für den Diskurs über eine kulturelle Positionierung, die sich mit Stärken, Chancen und Potenzialen von Kommunen und Regionen auseinandersetzen, wissend, dass gerade Städte stehen vor großen Herausforderungen stehen:

Städte befinden sich in Bewegung. Stillstand war vorgestern, alles verändert sich. Doch wie verändert sich Stadt und sein Stadtleben, wie verändert sich das Zusammenleben, zwischenmenschlich und im Raum, wie entstehen bzw. wie entwickeln sich Quartiere weiter? Was kann eine Kulturstrategie dazu beitragen?

Es gilt festzuhalten, dass Kultur immer mehr zum Standortvorteil wird, besonders wenn sie als wesentlicher Teil des städtischen Selbstverständnisses gelebt wird. Städte versuchen sich immer stärker mit kulturellen Angeboten zu profilieren.Um diese Fragestellungen zu verdichten, können folgenden Fragen vertieft beantworten werden:

  1. Kultur ist vom Gesetz her eine freiwillige Aufgabe. Wie kann Kultur zu einer selbsternannten Pflichtaufgabe werden?
  2. Kultur ist oftmals ein Streichprodukt. Wie kann eine kulturpolitische Lobby aufgebaut werden, wodurch kulturelles Engagement stärker in der Öffentlichkeit diskutiert wird? Gerade auf kommunaler Ebene fehlt oftmals eine kulturpolitische Debatte: Wie kann dem kulturellen Leben mehr Gestaltungsspielraum zuerkannt werden?
  3. Es gilt generell, den Stellenwert von Kulturproduktion und -arbeit zu steigern. Wie kann kulturelles Engagement politische Relevanz erzielen?
  4. Neues wird gerne kritisch beäugt. Welche Rahmenbedingungen müssen entwickelt werden, damit auch neue, zeitgemäße Angebote entstehen können?

Wenn diese Aspekte von Kulturentwicklung um Aspekte der kulturellen Stadtentwicklung ergänzt werden, ergeben sich folgende Fragestellungen, die sich unabhängig von Größe, Einwohnerzahl oder kultureller Infrastruktur stellen:

  1. Es gilt standortspezifische Faktoren zu analysieren. Gesundheits- und Sozialinfrastruktur sowie Bildungseinrichtungen oder Sportstätten, sollten ebenso diskutiert werden, wie die Bedeutung von Vereinsleben für eine Stadt/Region oder Indikatoren für Tourismus und Handel. Daraus ergeben sich Debatten über die Bedeutung von Kultur- und Kreativwirtschaft sowie beispielsweise Fragen der Betriebsansiedelung. Dieser Diskurs kann zu hoher Akzeptanz bei Politik, Stakeholdern sowie Bürgerinnen und Bürgern führen und folglich auch Prozesskosten reduzieren.
  2. Wie entwickelt sich eine Stadtgesellschaft (weiter), wie verändern sich die Bedürfnisse von Bürgerinnen und Bürger, auch mit Blick auf das Nutzungsverhalten des Alltags? Diese Fragestellung reagiert auf den Erkenntnissen der vorherigen Frage.
  3. Quartiere sollten im gesamtstädtischen Kontext dargestellt, kritisch analysiert und deren Potenziale aufgezeigt werden. Daraus ergibt sich eine zeitgemäße urbane Entwicklung. Daraus ergibt sich eine soziale Dimension von Quartiersentwicklungen, in welcher das Individuum, dessen Lebensraum und der zwischenmenschliche Bedarf im Zentrum des Diskurses steht. So können Stadtquartiere zu Erlebnisräumen werden, denn Stadträume entstehen und entwickeln sich im meist laufenden Dialog und mit einem Beteiligungsansatz.
  4. Welche übergeordneten Themen beschäftigen die Stadt, welche Themen beschäftigen die Menschen, was sind die gesellschaftlichen Herausforderungen im Kontext von Lebens- und Arbeitswelten?

Unsere Gesellschaft verändert sich sichtbar. Diversität, Inklusion und Heterogenität sind mehr als Schlagworte unserer Zeit, sie bestimmen in großem Stil unser Zusammenleben. Folglich ändert sich auch das kulturelle Leben auf Basis eines zeitgemäßen Kulturbegriffs.

CULTURELAB e.U. freut sich auf 2019. Alles Gute, vor allem Gesundheit für das neue Jahr!

Das gesamte Narrativ „Denken und Planen: Kulturelle Strategie im Kontext von Positionierung und Wahrnehmung“ erscheint im 1. Quartal 2019 im Handbuch Kulturmanagement (https://www.kulturmanagement-portal.de).

2018-12-18T21:43:41+00:00