Am Internationalen Museumstag (17. Mai 2026) konnte ich im vorarlberg museum eine Ausstellung besuchen, die lange nachwirkt – und bewusst keine einfachen Antworten liefert: „Baustelle Erinnerung / Hitler entsorgen. Arbeiten am belasteten Erbe“ ist keine klassische historische Schau. Sie ist vielmehr eine Einladung zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, mit dem, was sichtbar ist – und mit dem, was oft verdrängt bleibt.

Im Zentrum steht eine unbequeme Frage: Wie gehen wir heute mit der NS-Vergangenheit um? Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie tief die nationalsozialistische Ideologie in Kunst, Kultur und Alltagsleben verankert war – und wie viel davon nach 1945 weitergewirkt hat. Besonders eindringlich ist dabei der Blick auf Bereiche, die selten im Fokus stehen: Trachtenwesen, Architektur, Ausstellungsbetrieb oder private Haushalte. Gerade dort wird deutlich, dass Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern in Formen, Symbolen und Gegenständen weiterlebt.

Ein starkes Bild empfängt die Besucherinnen und Besucher gleich zu Beginn: Von der Decke hängen stilisierte Objekte aus der NS-Zeit, die vier Themenbereiche repräsentieren – Schatten, die bis in die Gegenwart reichen. Die Inszenierung macht klar: Erinnerung ist kein statischer Zustand, sondern eine Baustelle. Eine, an der gearbeitet werden muss.

Besonders nachdenklich stimmt der Ausstellungsteil „Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum“, übernommen vom „Haus der Geschichte“ in Wien. Er greift ein Thema auf, das viele betrifft, aber selten öffentlich diskutiert wird: Was tun mit NS-Relikten im Privatbesitz? Orden, Bücher oder persönliche Gegenstände – oft geerbt, oft jahrzehntelang unbeachtet. Aufbewahren, verkaufen oder vernichten? Die Ausstellung gibt keine einfachen Antworten, sondern öffnet einen Raum für Reflexion und Verantwortung.

Gerade das macht die Schau so relevant. Sie zeigt historische Fakten, und fordert Haltung. Sie macht sichtbar, dass Erinnerungskultur mehr ist als Gedenken – sie ist ein aktiver Prozess, der demokratische Wachsamkeit braucht. Oder anders gesagt: Wer sich nicht bewusst mit der Vergangenheit auseinandersetzt, läuft Gefahr, ihre Muster zu übersehen.

Am Internationalen Museumstag wurde einmal mehr deutlich, welche Rolle Museen heute spielen können – und müssen. Nicht als Orte der reinen Bewahrung, sondern als Räume für Diskussion, Zweifel und gesellschaftliche Orientierung. Die „Baustelle Erinnerung“ ist dafür ein starkes Beispiel. Sie arbeitet nicht nur Vergangenheit auf, sondern stellt die entscheidende Frage für die Zukunft: Wie wollen wir mit unserem Erbe umgehen?