Wer wie wir bei CULTURELAB zuletzt die Kulturkonzeption der Stadt Baden begleiten durfte, blickt auf Städte in dieser Region mit besonderer Aufmerksamkeit. Nicht, um sie gegeneinander auszuspielen. Sondern um die entscheidende Frage zu stellen: Wie positionieren sich Städte kulturell in einem gemeinsamen Raum? Wo braucht es Abgrenzung, wo Synergie?
Ich war am 28. Februar in Mödling. Mein Eindruck: Diese Stadt hat Qualität. Historische Dichte, urbane Atmosphäre, Maßstab, Charme. Mödling wirkt nicht zufällig gut, sondern gewachsen und stimmig. (CT)
Aber genau hier beginnt die eigentliche kulturstrategische Frage: Qualität allein ist noch keine Kulturstrategie. Denn natürlich hat Mödling Kultur. Die spannendere Frage ist: Welche kulturelle Idee hat diese Stadt von sich selbst? Wofür will sie stehen? Was ist ihr eigener Ton? Was kann sie kulturell sein, das weder Baden kopiert noch Wien imitiert?
Gerade in einer Region mit mehreren starken Städten wird diese Frage zentral. Nicht jede Stadt muss alles sein. Aber jede Stadt sollte wissen, was ihr eigenes Profil ist — und wo Kooperation mehr bringt als Doppelgleisigkeit.
Aus Sicht eines Kulturberaters stellen sich für Mödling daher einige Schlüsselfragen:
- Wofür steht Mödling kulturell?
- Wo liegt die eigene Stärke im Unterschied zu Baden — und wo liegt bewusstes Zusammenspiel?
- Wie schaut die Abgrenzung zu Wien aus?
- Für wen wird Kultur gedacht: für ein bestehendes Publikum oder für die ganze Stadtgesellschaft?
- Wie viel Gegenwart und Experiment traut sich Mödling neben seinem starken historischen Erbe zu?
- Wird Kultur als Veranstaltungsprogramm verstanden — oder als strategischer Teil von Stadtentwicklung, Identität und Lebensqualität?
Gerade Städte mit hoher Qualität laufen Gefahr, sich auf dem Bestehenden auszuruhen, insbesondere in budgetär herausfordernden Zeiten. Doch kulturelle Zukunft entsteht nicht von selbst. Sie braucht Klarheit, Prioritäten und den Mut zur Selbstbeschreibung.
Mein Eindruck nach diesem Tag in Mödling ist daher eindeutig: Diese Stadt hätte beste Voraussetzungen für eine starke, eigenständige kulturelle Positionierung. Nicht als Kopie. Nicht als Gegenmodell. Sondern als Stadt mit klarem kulturellem Selbstverständnis in einer spannenden Region.
Denn gute Kulturpolitik verwaltet nicht nur Angebot. Sie schärft Identität.
