Kulturhauptstadt 2024: Die europäische Idee für Vorarlberg. Denkanstoß aus Aarhus vom #cwf2017 …

Die Initiative der Europäischen Kulturhauptstadt geht ins Jahr 1983 zurück. Die Vorarlberger Rheintalstädte haben im Mai 2015 einen beeindruckenden gemeinsamen Prozess gestartet, der eine mögliche Bewerbung für 2024 im Auge hat.

Die Vielfalt und der Dialog zwischen den Kulturen sollten fokussiert werden. Europäische Themen, die heute durchaus positiv aufgeladen werden müssten, so lautete die Grundidee von Melina Mercouri und Jacques Lang, als sie den Titel ins Leben riefen.

Was würde Vorarlberg 2024 für eine europäische Geschichte erzählen? Einige Fakten …

  1. Das Europa nach dem 2. Weltkrieg gilt (auch trotz des Franco-Regimes in Spanien oder beispielsweise des erschütternde Jugoslawien-Krieges in den 1990er-Jahren) als eines der erfolgreichsten Friedensprojekte der Geschichte. Dieses friedliche Zusammenleben hat den europäischen Völkern großen Wohlstand und Sicherheit beschert. Und solange es uns wirklich gut geht, sollten wir unsere Zukunft proaktiv gestalten.
  2. Wohlstand verdankt Vorarlberg auch der konsequenten Exporttätigkeit der Wirtschaft und der Industrie. Auf diesen Umstand kann in einem breit angelegten Diskussionsprozess mit der Zivilgesellschaft hingewiesen werden. Denn Arbeit und wirtschaftliche Stärke sichern diesen angesprochenen Wohlstand. Und dazu gehört auch ein breites kulturelles Verständnis.
  3. Zusammenleben ist eines der Stichworte der Europäischen Idee. Kulturelle Vielfalt fördert dieses Zusammenleben, der Respekt vor anderen Kulturen, vor anderen Lebenswelten. Ein Thema, das uns in Vorarlberg seit Jahrzehnten beschäftigt, bleibt die Frage, ob es tatsächlich ein Mit- oder ein Nebeneinander geblieben ist?
  4. Diversität ist zudem eine jener Schlüsselfaktoren, die unsere Gesellschaft in den verschiedensten Bereichen prägt: Wie wollen wir arbeiten, wie wollen wir reisen, wie wollen wir unsere öffentlichen Räume gestalten, wie wollen wir kulturelle Barrieren abbauen? Das sind lediglich vier Fragestellungen, die im europäischen Kontext erarbeitet werden müssen.
  5. Die unmittelbare Grenznähe stellt tatsächlich ein Europa der Regionen dar. Es gilt die Frage zu erörtern, ob diese Grenzen faktisch überwunden sind oder ob es immer noch Grenzen in den Köpfen der Menschen gibt? Kann eine Europäische Kulturhauptstadt diese Grenzen eventuell endgültig zum Einstürzen bringen? Ja, Netzwerke, Projekte, Ideen über nahe Grenzen und über europäische Grenzen hinweg, wenn, dann über Kunst, Kultur und Kreativität. 
  6. Wie gehen wir als Region mit interkulturellen Fragestellungen um? Flüchtlingsbewegungen haben das Bild Europas immer wieder aufs Neue verändert? Auch jenes in Vorarlberg. Wie kann Migration einmal mehr als Chance begriffen werden?
  7. Bleibt eine künstlerische Frage: Wollen wir Europa eine Bühne bieten oder wollen wir Europa die hohe Qualität der Region aufzeigen?

Es geht darum, dass Europa in den Jahren nach 2024 eine Geschichte über das Rheintal erzählen wird. Und ich bleibe dabei: Die Idee der Kulturhauptstadt Europas für Vorarlberg ist und bleibt eine Chance, die so schnell nicht mehr wieder kommen wird.

2017-11-01T10:08:43+00:00